Das kleine Schränkchen hat mich in der Brocki angelacht und ich konnte nicht widerstehen. Zwar hatte es ein Fünfliber-grosses Loch in der Rückwand und roch irgendwie nach Rauch. Aber der Charme des Möbels mit den bunten Glasfenstern hatte es mir angetan. Ich taufte es Arabelle.
Wahrscheinlich hatte das Schränkchen zuvor als Bar gedient, jedenfalls deuteten die Flecken im Innern darauf hin. Bei näherem Betrachten entdeckte ich auch, dass von der Glasverzierung (Messing? Blei?) im einen Türchen ausser einer Leimspur kaum noch etwas vorhanden war.
Das würde mir noch einiges Kopfzerbrechen bereiten, doch davon später.

Die Grobarbeit: Abschleifen und Grundieren
Um später ein gleichmässiges Ergebnis beim Streichen zu erhalten und weil das Teil wirklich ziemlich streng roch, entschied ich mich, den Lack komplett runterzuschleifen.
Und das Loch auf der Rückseite musste natürlich weg: Mit Holzspachtel lässt sich (fast) alles reparieren:-) Ein Tipp an dieser Stelle: Grössere Löcher lassen sich super reparieren, wenn die Rückwand mit einem Klarsichtmäppchen beklebt wird. Das Loch lässt sich jetzt einfach füllen. Da die Spachtelmasse am Plastik nicht kleben bleibt, kann das Mäppchen nach dem Trocknen des Spachtels ganz einfach entfernt werden – und gestopft ist das Loch. (gesehen in diesem youtube-Tutorial)
Anschliessend grundierte ich mit weissem Holzisoliergrund. Ich benutze gerne den Isoliergrund von Südwest auf Acrylbasis – ich arbeite lieber mit Produkten auf Wasserbasis. Damit sicher keine Holzstoffe durchschlagen, machte ich insgesamt drei Anstriche.

Farbe!
Wenn immer möglich arbeite ich mit Kreidefarbe. Kreidefarbe ist ein Farbe auf Wasserbasis mit natürlichen Kreidepigmenten. Sie erzeugt eine samtig matte Oberfläche. Und das Tolle an Kreidefarbe: Sie verzeiht auch kleine Unregelmässigkeiten beim Streichen … Meist benutze ich einen Pinsel und keine Rolle. Zwar sieht man die Pinselstriche, doch das gefällt mir gerade daran. Ich bin der Meinung, man darf die Handarbeit sehen.
Ich entschied mich für den Farbton «Ocean Blue» der dänischen Marke Jeanne d’Arc Living. Die Farbe ist zwar teuer, ich finde aber, dass sich die Ausgabe lohnt. Das Ergebnis wird schön matt und gleichmässig. Die Innenseite des Schränkchens sollte etwas heller werden – hier hatte ich noch einen Rest des Farbtons «Dusty Blue» – ein Tick heller als das Blau für die Aussenseite.
Damit die Farbe schön deckt, braucht es mindestens zwei, besser drei Anstriche.
Versiegelung
Zum Versiegeln verwende ich gerne farblosen Antikwachs. Das Wachs erzeugt eine samtige Oberfläche. Zudem kommt die Holzstruktur zur Geltung. Es gibt auch hier von Jeanne d’Arc Living ein eigener Antikwachs extra für Kreidefarbe. Ich benutze aber ganz einfach ein Produkt aus der Migros – ist etwas günstiger und hat den gleichen Effekt.
Wenn das Möbel nicht dem Wetter oder grosser Belastung ausgesetzt ist, reicht Wachs als Versiegelung vollkommen. Bei Oberflächen, die oft benutzt werden (zum Beispiel Küchentisch) sollte besser Klarlack verwendet werden. Mit Lack versiegelte Oberflächen sind strapazierbarer.

Glaskunst
So, und jetzt war da noch immer diese fehlende Verzierung auf dem Glasfenster. Wie und womit ersetzen?
Ich habe vieles ausprobiert – von Glasmalfarbe bis Fimo – aber nichts erzielte den gewünschten Effekt. Bis ich auf Dekoblei stiess. Das selbstklebende Bleiband wird in der Glaskunst eingesetzt und lässt sich gut von Hand formen.

